Lena Scheidig, M.A.

Mythotopologie einer magischen Stadt

Prag und sein Narrativ – von der Jahrhundertwende bis zur Gegenwart

Universität Leipzig: Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft
Wissenschaftliche Betreuung: Prof. Dr. Angelika Hoffmann-Maxis (Universität Leipzig), Prof. Dr. Alfrun Kliems (Humboldt Universität Berlin)

Das Dissertationsprojekt widmet sich der Darstellung der Stadt Prag in der Literatur des 20. Jahrhunderts. Es versucht zu ergründen, wie der (literarische) Mythos einer „magischen“ Stadt entstanden ist – ein Mythos, der auch über die Literatur hinaus zu einem feststehenden Charkteristikum Prags geworden ist und auf den bis heute immer wieder referiert wird. Anhand von literarischen Beispielen wird nachvollzogen, woraus sich die „Magie“ der Stadt speist, welche Funktion sie im jeweiligen Text erfüllt und ob sich diese Komponenten im Laufe des 20. Jahrhunderts verändert haben, so wie sich auch die realtopographische Stadt Prag politisch, topologisch und demographisch verändert hat. Dabei untersucht die Mythotopologie
charakteristische Räume (so z. B. auch Erinnerungsräume), welche die Prag-Literatur eröffnet. Die Stadt stellt einen Raum des Dazwischen und der Unsicherheit dar, an dem ambivalente oder auch gegensätzliche Kräfte und Zustände wirken und an dem die Grenzen von Raum und Zeit überschritten bzw. verwischt werden. Prag wird dabei zu einem besonderen Ort existentieller Problematik, die sich häufig sowohl aus einer individuellen als auch kollektiven Suche nach Identität und Identifikation ergibt. Diese spiegelt sich in der Darstellung der Stadt im Text wider. Dementsprechend wird bei der Interpretation der einzelnen Texte immer wieder der Bezug zum jeweiligen zeitgenössischen Geschehen hergestellt, um daraus Rückschlüsse auf die Semantisierung der Stadt ziehen zu können.