Soziale/Kulturelle (Stadt-)Räume und Transkulturalität in Prag

Workshop im Rahmen des Forschungsverbundes Prag als Knotenpunkt europäischer Modernen
Universität Konstanz, 15.- 17. Juli 2011

Das Prag des frühen 20. Jahrhunderts, in dem „Tschechen, Deutsche, Juden“ (Max Brod) zusammenlebten, ist wie wohl nur wenige Konstellationen geeignet, neuere Theorien von Transkulturalität sowie der sozialen und kulturellen Konstruktion von Räumen zur Anwendung zu bringen. Anders als in diesen in den Kulturwissenschaften bzw. cultural studies der letzten Jahre entwickelten Modellen, die eher die Durchlässigkeit von Grenzen betonen, überwiegt jedoch in den theoretischen und nationalphilologischen Zugriffen auf das multiethnische Prag die Tendenz zu starken Grenzziehungen. Ein differenzierteres Bild bieten hingegen schon die Aussagen der Zeitgenossen bzw. -zeugen: Hier steht Pavel Eisners oben schon zitiertem Diktum vom „dreifachen Ghetto“ Vilém Flussers Rückblick auf seine Prager Jahre gegenüber, in dem er eine solch scharfe Abtrennung der Sphären hinterfragt: „Selbstredend, man war Prager, das stand nicht in Frage. […] Aber war man als Prager Tscheche, Deutscher oder Jude? […] Musste man sich zwischen diesen Alternativen entscheiden, oder waren sie irgendwie gegeben?“

Die Tagung wird die diskursive Dynamik in den Vordergrund rücken, von der kollektive wie individuelle Identitätsbildungsprozesse, die Strukturierung kul­tureller Räume und die Herausbildung literarischer Kommunikationsgemeinschaften in der komplexen historischen Situation im Prag des frühen 20. Jahrhunderts geprägt waren. Ihr Schwerpunkt soll dabei auf der Reflexion möglicher theoretischer Modelle liegen, mit denen die spezifische Konstellation eines (städtischen) Ineinanders der Kulturen (nicht nur) in Prag zu fassen ist.

Organisation:
Prof. Dr. Manfred Weinberg, Dr. Štĕpán Zbytovský (Prag), Prof. Dr. Irina Wutsdorff (Tübingen), Kathrin Janka, M.A. (Berlin), Georg Escher, M.A. (Zürich